Von oben gesehen.
Die Vogelperspektive

20.11.2014 - 22.02.2015

Von Behaim bis Elíasson



Seit Ende des 15. Jahrhunderts tritt die Vogelperspektive in der bildenden Kunst in Erscheinung. Künstler bedienten sich des „Blicks von oben“, um die Welt in kosmische, religiöse, sozial-politische oder wissenschaftlich-technische Zusammenhänge einzubinden.

Den Anfang der Entwicklung bildet der monumentale Venedig-Plan von Jacopo de‘ Barbari aus dem Jahr 1500. Nie zuvor war eine Stadtansicht mit dieser Genauigkeit und solchen Ausmaßen erstellt worden - konstruiert auf Grundlage von Vermessungen und den Gesetzen der Perspektive.

Im 16. Jahrhundert beginnen Kartographen systematisch Berge, Wälder, Seen, Flüsse, aber auch Dörfer und Städte zu vermessen. Die Natur wird fortan dem menschlichen Ordnungswillen unterworfen. Dass es sich bei diesem Dialog zwischen Fantasie und Wissenschaft nicht nur um ein historisches Phänomen handelt, zeigt Ólafur Elíassons „Cartographic Series IV“ von 2007. Auf den 25 Heliogravuren erscheinen die Luftbilder von Gletscherzungen und Schneefeldern verfremdet abstrakt.

Hohe Aussichtspunkte und technischer Fortschritt

Die erste große Zäsur in der Wahrnehmungsform der Vogelperspektive vollzieht sich im 18. Jahrhundert. Die Erschließung der Bergwelt ermöglicht zum ersten Mal auch einem breiten Publikum das reale Erlebnis der Vogelschau. Grandiose Seherlebnisse in Städten bieten Blicke von Kirchtürmen, oberen Etagen moderner Bauwerke oder aus Heißluftballons. Den Höhepunkt findet diese Entwicklung in Paris: Der Blick von Notre Dame und vom Eiffelturm auf die französische Metropole wird zum populären Bildmotiv.

Die ultimative Eroberung der Vogelperspektive ermöglicht im 20. Jahrhundert das Flugzeug. Aus großen Höhen aufgenommene Luftbilder, die die vielgestaltige Oberfläche der Erde wie geometrische Formen und Linien erscheinen lässt, üben einen nachhaltigen Einfluss auf Künstler der Moderne aus

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Blick in die Ausstellung

 
Wir danken für die großzügige Unterstützung der Ausstellung