Dosenförmige Uhr (sogen. Henlein-Uhr), Werkstatt des Peter Henlein, Nürnberg, um 1530 (Inv.-Nr. WI 1256)
Tomogramm, Uhrwerk, Riss in Schnecke
Schnittbild, Uhrwerk, 3D-Rekonstruktion

 

Der Henlein-Uhrenstreit

Ist die Henlein-Uhr tatsächlich die "älteste Taschenuhr der Welt"?

 

Projektlaufzeit: März 2013 bis Dezember 2014
Förderung:
Staedtler Stiftung 

 
Seit Jahrzehnten tobt in der Fachwelt ein Streit darüber, ob die berühmte „Henlein- Uhr“ im Germanischen Nationalmuseum tatsächlich die älteste erhaltene mobile Kleinuhr der Technikgeschichte ist. Denn auch andere kleinformatige Uhren des frühen 16. Jahrhunderts nehmen diesen Titel für sich in Anspruch oder sind – wie die Henlein-Uhr – als Fälschungen verdächtigt. Insgesamt sind es etwa fünf Uhren, die in der Diskussion stehen.

 

Ab Dezember 2014 widmet sich eine Sonderausstellung diesen faszinierenden Zeugnissen früher Zeitmesstechnik und versucht, den Henlein-Streit ein Stück weit zu lösen.

Unverzichtbar bei der vorbereitenden Forschungsarbeit ist der objektnahe Vergleich der fraglichen Kleinuhren, insbesondere ihrer Uhrwerke. Meist vom Gehäuse verdeckt stellen sie die eigentliche Innovationsleistung dar. Seit etwa 1510 machten sie die Zeitmessung hosentaschentauglich: transportabel „im Brust- oder Geldbeutel“, wie eine zeitgenössische Quelle schwärmt. Doch wie lassen sich diese -- auch fotografisch schwer zugänglichen -- mikroskopisch dimensionierten Geh- und Schlagwerke in weit voneinander entfernten Museen und Privatsammlungen systematisch erfassen und einheitlich vergleichen? Zumal ihre Bauteile dreidimensional zusammenwirken?

Der technikgeschichtlichen Forschung kommt hier die 3D-Mikro-Computertomografie zu Hilfe, mittels derer hochauflösende, dreidimensionale Bilder der Objekte und ihres Inneren erstellt werden können, selbst wenn sie aus Metall sind. Durchgeführt werden die computertomografischen Messungen vom Fraunhofer Institut Entwicklungszentrum Röntgentechnik EZRT in Fürth.

Bislang fehlt allerdings auch dem Kulturwissenschaftler für die Nutzung und Auswertung dieser 3D-CT-Daten noch ein Visualisierungstool, mittels dessen ohne spezielle Fachkenntnis mit den gewonnenen Daten gearbeitet werden kann. Als Projektprodukt mit hohem Nachhaltigkeitsfaktor ist deshalb im Anschluss an die Messungen der Kleinuhrwerke die Entwicklung eines neuen „Viewer“ vorgesehen. Mit dessen Erstellung wird die Fakultät Elektrotechnik Feinwerktechnik Informationstechnik der Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm betraut werden.


Die 3D-Mikro-Computertomografie. Kunsttechnologische Anforderungen und Expertisen im Germanischen Nationalmuseum 

Henlein-Animation bei BLENDER online

 

Projektmitarbeiter

Dr. Thomas Eser (Projektleiter)
Roland Schewe M.A. (Restaurator)
Markus Raquet (Restaurator)

 

Kooperationspartner

Dr. rer. biol. hum. Dipl. Phys. Theobald Fuchs, Fraunhofer-Institut Integrierte Schaltungen (IIS) Entwicklungszentrum Röntgentechnik (EZRT)

Prof. Dr. Stefan Röttger, Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, Fakultät Elektrotechnik Feinwerktechnik Informationstechnik

 

Wissenschaftliche Infrastruktur

Institut für Kunsttechnik und Konservierung, Oliver Mack (Leitung)
Wissenschaftsmanagement und Marketing, Dr. Andrea Langer (Leitung)


Technische Beratung

Dipl.-Ing. Peter Dziemba, Bad Nauheim-Wisselsheim, Fachberater Renaissance-Uhren der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie

Jürgen Ehrt, Restaurator und vereidigter Sachverständiger für historische Uhren, Oldenburg 

Johannes Eulitz, Restaurator, Mathematisch-Physikalischer Salon, Staatliche Kunstsammlungen Dresden 

Dr. Dietrich Matthes, Qatar

 

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