Archäologische Forschungen

in Deutschland, Österreich und der Schweiz von der Auflösung des Alten Reichs bis 1852

 

Projektlaufzeit: 2010 – 2012
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft


Selbständig und unselbständig publizierte Texte zu archäologischen Forschungen aus der Zeit zwischen 1807 und 1852 werden in einer Internetdatenbank bibliographiert. Ausgewählte Monographien und Zeitschriften werden digitalisiert und inhaltlich erschlossen.

Ziel ist, den Zugang zu Publikationen aus der wissenschaftlichen Pionierphase archäologischer Forschung im deutschsprachigen Raum zu verbessern.

Das Projekt wird von der Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums durchgeführt und setzt das Digitalisierungsprojekt „Archäologische Funde in der Frühen Neuzeit“ an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (2006-2009) fort.

Finanziert wird das Vorhaben von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Förderprogramms „Literaturversorgungs- und Informationssysteme – Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung“.

Kontext

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm das Interesse an der ‚einheimischen’ Archäologie sprunghaft zu, wobei Ausgrabung, Sammlung und Publikation archäologischer Funde auf eine Gelehrtentradition der Frühen Neuzeit zurückgeht.

Nach der Auflösung des Alten Reichs motivierten schillernde Nationsvorstellungen und ein neues Landesbewusstsein dazu, sich mit den ‚vaterländischen Alterthümern’ zu beschäftigen. Neue Erkenntnisse über Alter und Herkunft von prähistorischen Objekten machten die Kultur- und Völkergeschichte vor der schriftlichen Überlieferung greifbar.

Grabungs- und Analysemethoden wurden spezialisiert und fortentwickelt. Das ‚Dreiperiodensystem’ – die Theorie von der kulturgeschichtlichen Abfolge der Werkstoffe Stein, Bronze, Eisen – bot erstmals eine Methode zur relativen Datierung prähistorischer Objekte.

Die vor allem seit der zweiten Dekade des 19. Jahrhunderts gegründeten Geschichts- und Altertumsvereine sowie naturforschenden Gesellschaften boten das wichtigste Forum für einen gelehrten wie geselligen Austausch über Fragen der heimatlichen Sprache, Bräuche, Mythologie, Landeskunde und Naturgeschichte, und insbesondere über die Deutung und Bedeutung archäologischer Funde. Im Rahmen dieser Vereinigungen erlangte archäologische Forschung eine frühe Form der Institutionalisierung. Die in großer Zahl publizierten Druckschriften sorgten für eine bis dahin nicht gekannte Popularität der Ausgrabungsbefunde.

Bibliographie

Anzahl und Inhalt der Publikationen aus dieser produktiven Pionierphase einer ‚einheimischen’ Archäologie in der erste Hälfte des 19. Jahrhunderts waren bislang bibliographisch nicht annähernd erfasst und inhaltlich erschlossen. Um künftige Forschungen zur Geschichte der Archäologie auf eine neue und verbesserte Quellenbasis zu stellen, wird eine Gesamtbibliographie für die Monographien und Zeitschriftenartikel zu archäologischen Forschungen erstellt, die zwischen 1807 und 1852 in Deutschland, Österreich und der Schweiz erschienen sind.

Alle bibliographierten Titel werden in der von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel gehosteten Projektdatenbank erfasst und sind Online recherchierbar.

Zur Bibliographie

Digitalisierung

Ausgewählte Monographien und Zeitschriften aus dem Bestand der Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums (GNM) werden neu digitalisiert und inhaltlich erschlossen. Hinzu kommen ergänzend Digitalisate aus den Bibliotheken des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz (RGZM) und der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt am Main (RGK).

Zu den Digitalisaten

Alle neu erstellten Digitalisate sowie die von verschiedenen Anbietern digital bereitgestellten Texte werden innerhalb der Projekt-Bibliographie verlinkt und sind von dort aus direkt aufrufbar. Aufgrund verschiedener Digitalisierungsinitiativen der letzten Jahre kann inzwischen ein Großteil der bibliographierten Monographien und Zeitschriftenaufsätze Online recherchiert und gelesen werden.

Im Rahmen des Projekts wurde der Grundstein für eine Digitale Bibliothek des GNM gelegt. Eine eigens entwickelte Software unterstützt den Workflow von der Verwaltung der Bilddateien bis zur Eingabe und Verwaltung der Metadaten nach vorgegebenen Standards. Eine Präsentationsschicht bereitet die Metadaten und Bilddateien für den Nutzer auf und dient als Schnittstelle zu externen Diensten wie den DFG-Viewer. Die Software wird über die Projektlaufzeit hinaus genutzt, um zukünftig alle an der Bibliothek des GNM erstellten Digitalisate zu verwalten und zu präsentieren. Die Startseite der Digitalen Bibliothek verzeichnet die aktuellen Neuzugänge.

Zu den Neuzugängen der Digitalen Bibliothek

Provenienzen

Viele Exemplare des bibliographierten Altbestandes enthalten Vorbesitzereinträge, die interessante Einblicke in das zeitgenössische Gelehrtennetzwerk und die Rezeption der Texte ermöglichen. Diese Provenienzen werden im Rahmen einer Recherche in ausgewählten Bibliotheken mit reichen Altbeständen zur frühen archäologischen Forschung ermittelt und unter den Exemplareinträgen der Projekt-Bibliographie verzeichnet. Die erfassten Provenienzen sind in der Projekt-Bibliographie mit der Suchoption ‚Vorbesitzer’ recherchierbar.

Projektmitarbeiter

Dr. Ingo Wiwjorra

Kooperationspartner