Galerie Heinemann online

Ein Internet-Datenbankprojekt des Deutschen Kunstarchivs in Kooperation mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München



Das Projekt wurde zum 1.3.2009 beantragt, zum 22.6.2009 genehmigt. Die Freischaltung der Datenbank sowie eine Präsentation im Germanischen Nationalmuseum fanden am 29.7.2010 statt. Gefördert wurde das Projekt durch die Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung, Berlin.

Kurzbeschreibung des Projekts

Der Nachlass der Galerie Heinemann im Deutschen Kunstarchiv (DKA) wird sehr häufig von Provenienzforschern, Auktionshäusern oder Kunsthistorikern angefragt und gehört zu den am meisten genutzten Beständen des Archivs. Die Galerie Heinemann (1872-1939) war jahrzehntelang eine der bedeutendsten deutschen Kunsthandlungen, bis sie 1939 von den Nationalsozialisten "arisiert" wurde. Zumeist handelt es sich bei den Anfragen um Recherchen im Rahmen von verfolgungsbedingten Vermögensverlusten nach 1933. Um diese Recherchen zu erleichtern, wurde ein Projekt initiiert, um die Geschäftsbücher und Karteien der Münchner Galerie Heinemann im Deutschen Kunstarchiv sowie die Kataloge und Fotografien im Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München (ZI) zu bearbeiten. Sie wurden digitalisiert, in größtmöglicher Tiefe durch Transkription erschlossen, die Informationen in einer Datenbank verknüpft und validiert, um diese in einer Webdatenbank – mit entsprechenden Suchmöglichkeiten – zur freien und kostenlosen Recherche über das Internet zur Verfügung zu stellen. Sie enthalten Informationen zu über 43.000 bedeutenden Gemälden aller Epochen sowie zu ca. 13.000 mit ihrem Erwerb beziehungsweise Verkauf verbundenen Personen und Institutionen. Ziel ist es, mit der Datenbank der Provenienzforschung ein exzellentes Werkzeug bereitzustellen.

Informationen zum Bestand

Bei den zu bearbeitenden Unterlagen handelt es sich um die Geschäftsbücher der Galerie (Lager-, Einkaufs- und Kassenbücher, 6.860 Seiten) sowie das komplexe achtfach untergliederte Karteisystem (35.296 Karteikarten). Die Karteien enthalten detaillierte Informationen und erlauben eine genaue Identifizierung von Werken, Künstlern, Verkaufszeitpunkten sowie in den Handel einbezogene Personen oder Institutionen. Insgesamt umfassen die Unterlagen den Zeitraum von der Galeriegründung im Jahre 1872 bis zur Zwangsenteignung des jüdischen Unternehmens Ende 1939. Die Bibliothek des ZI besitzt zudem zahlreiche Kataloge der Galerie sowie Fotografien zu Gemälden, die von der Galerie gehandelt wurden.

Projektverlauf

Im Jahr 2009 wurden alle Unterlagen im DKA (Karteien und Geschäftsbücher) digitalisiert. Die Digitalisierungsarbeiten im ZI (Kataloge und Fotografien) wurden im ersten Quartal 2010 abgeschlossen. Im Spätsommer wurde 2009 eine Erfassungsdatenbank erstellt. Es erfolgte die Transkription der Daten aus den Karteikarten, aus den Geschäftsbüchern und den Katalogen. Die Künstlernamen wurden normiert und mit der Personennamendatei der Deutschen Nationalbibliothek verknüpft. Ende Februar 2010 waren die Eingabearbeiten abgeschlossen.

Anfang Mai 2010 wurde die Webdatenbank entworfen. In der Datenbank bildet das einzelne Kunstwerk die oberste Hierarchieebene. Mit den Informationen zum Kunstwerk sind weitere Angaben zu Künstlern, Kunden sowie An- und Verkäufen verknüpft. Neben den transkribierten wichtigsten Inhalten werden zusätzlich alle Scans der zugrunde liegenden Dokumente zur Ansicht angeboten.

Mitte Juli 2010 wurde die Datenbank auf die Seiten des GNM transferiert und am 29. Juli 2010 freigeschaltet. Im Dezember wurde zusätzlich eine Kommentarfunktion für externe Nutzer implementiert.

Die Datenbank Galerie Heinemann online

Die Datenbank ermöglicht einerseits einen einfachen Sucheinstieg im Modus der Volltextrecherche, andererseits eine kombinierte, erweiterte Suche mit ausgewählten Suchfeldern. Damit bietet die Datenbank deutlich mehr Informationswert als die analogen Informationsträger der Lagerbücher, Karteikarten, Kataloge und Fotografien. Das Ergebnis kann als Kurzliste, Detailliste und Einzelansicht angezeigt werden. Letztere bietet zusätzlich alle relevanten Scans der Dokumente zu dem jeweiligen Kunstwerk. Durchwegs sind Hilfstexte den jeweiligen Seiten beigegeben. Die Scans stehen unter dem Reiter Dokumente auch zum Browsen zur Verfügung. Unter dem Reiter Hintergrund können sich die Nutzer zur Geschichte der Galerie Heinemann, ihrem Spektrum, zur Struktur der Dokumente, zu den Begriffen der Datenbank, zu weiterführender Literatur sowie zu den Projektbeteiligten informieren. Alle Seiten werden sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch angeboten.

Zur Datenbank

Information

Dr. Birgit Jooss

Kooperationspartner

München, Zentralinstitut für Kunstgeschichte

Die Bibliothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte besitzt 302 Kataloge der Galerie Heinemann (8.986 Seiten), die sowohl den Lagerbestand als auch die Ausstellungen der Galerie dokumentieren. Sie stammen zumeist aus der Zeit zwischen 1900 und 1935 und enthalten zahlreiche handschriftliche Notationen wie Preisangaben und Ergänzungen. In den Bestand der Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte gingen außerdem 56 Fotografien zu Gemälden über, die von der Galerie Heinemann gehandelt wurden.