Projektmeeting im GNM am 28.10.2009. Die Projektpartner diskutieren den ersten Entwurf des MIMO-Digitalisierungsstandards.
Eine Klarinette wird mit einer Mittelformatkamera fotografiert.
Eine Familie aus den U.S.A. interessiert sich für die Fotoarbeiten

 

MIMO - Musical Instrument Museums Online

Gefördert von der Europäischen Union im Rahmen des Programms eContentplus, Directorate general information society and media


Projektlauftzeit 1.9.2009 bis 31.8.2011.


Eine Hürde für Wissenschaft und Kulturinteressierte

Nur wenige Musikinstrumentensammlungen und -museen präsentierten bisher ihre Schätze im Internet. Die Unterschiede in der Darstellung und der Art der Erfassung erlaubten kaum Vergleiche. Wollte man sich anhand original erhaltener Objekte einen Überblick über die Geschichte des Klaviers, die Instrumentenbautraditionen einer bestimmten Region oder die außereuropäischen Verwandten der uns vertrauten Musikinstrumente verschaffen, war dies ein mühsames und in manchen Fällen aussichtsloses Unterfangen. Dieser Zustand behinderte nicht nur die Forschung, sondern war eine Hürde für alle, die sich für die Museumsbestände interessierten.

Die Lösung

Das von der Europäischen Union mit über 1,6 Millionen Euro geförderte Projekt MIMO wurde ins Leben gerufen, um für rund 45.000 Musikinstrumente aus neun bedeutenden europäischen Sammlungen über die Website der europäischen Digitalen Bibliothek EUROPEANA einen gemeinsamen und einheitlichen Zugang zu schaffen. Ein Server in der Pariser Cité de la Musique versammelt die in den Museen erzeugten digitalen Bilder, Klangbeispiele, Kurzfilme und Beschreibungen. Die Einzelinformationen werden mit Wortlisten zu Musikinstrumenten, Orten und Herstellernamen verglichen, so dass nun die zentrale Suche nach den gewünschten Objekten möglich ist.

Die Herausforderung

Die Digitalisierung von Musikinstrumenten durch Fotografieren hielt besondere Herausforderungen bereit: Von der Maultrommel bis zur Orgel galt es, mit Hilfe der Restaurierungswerkstatt für Musikinstrumente, des hauseigenen Transportdienstes und mehrerer aus EU-Mitteln eingestellter Mitarbeiter, die Transporte und die Fotografie der Musikinstrumente auf effiziente Weise zu organisieren und durchzuführen, ohne die empfindlichen Stücke zu gefährden. Im Ausstellungsraum der Sammlung baute das Atelier für Fotodesign Kühnel ein mobiles Fotostudio auf, um die Instrumente für hochauflösende Digitalaufnahmen ins richtige Licht zu setzen. Besucher konnten die Arbeit der Fotografen miterleben und die laufend durchgeführten Qualitätskontrollen auf einem Großbildschirm verfolgen. Ein Transparent erläuterte die technische Ausrüstung und gab Informationen zum Projekt.

Neue Wege der Vernetzung

Damit die Beschreibungen, Bilder, Klangbeispiele und Kurzfilme mittels des so genannten Harvesting (wörtlich: Ernten) aktuell und vollständig beim Server in Paris ankommen, mussten die Informationen im für die Übermittlung von Sammlungsdaten geschaffene, internationale Datenformat LIDO (Lightweight Information Describing Objects) abgebildet werden. Die mehr als 3.000 Datensätze der Musikinstrumentensammlung wurden einzeln kontrolliert und mit den nötigen Schlagworten versehen. Diese Datenumwandlung lieferte einen wichtigen Beitrag für die Erneuerung des hauseigenen Dokumentenverwaltungssystems GNM-DMS.

... und neue Musikinstrumente

Das Vorhaben, die komplette Sammlung zu digitalisieren, ging mit einer intensiven Kontrolle der Bestände einher. Beim Durchforsten auch des letzten Schranks und der letzten Schublade in den Depots wurden mehr als hundert Musikinstrumente entdeckt, die noch nicht inventarisiert waren, darunter eine kleine Sammlung von Spielzeuginstrumenten, die der Nürnberger Sammler Dr. Ulrich Rück in den 1950er Jahren begonnen hatte, und die mit dem Ankauf seiner Gesamtsammlung 1962 ins Museum gelangt waren. Alle wiederentdeckten Stücke wurden ebenfalls fotografiert, beschrieben und inventarisiert und stehen nun im Internet zur Verfügung. Eine weitere Gruppe sind Musikinstrumente, die im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen waren, die aber ihre Spuren in den Inventaren hinterlassen hatten. Für einige von ihnen konnten alte Glasplattennegative gefunden und gescannt werden und sind nun ebenfalls über das Internet sichtbar.

Die Rolle des GNM

Unter den insgesamt sechs Arbeitspaketen des Projekts, die sich unter anderem der Pressearbeit, der Informationstechnologie oder der Erstellung von kontrollierten Vokabularen widmeten, leitete das GNM mit der Digitalisierung den personalintensivsten Bereich. Dabei galt es, den Informationsfluss zwischen den Institutionen bezüglich praktischer Fragen zu gewährleisten, die Fortschritte der einzelnen Partner zu verfolgen und den bei einem EU-Projekt dieser Größenordnung beträchtlichen Anteil am Berichtswesen zu besorgen.
Um auch in der Darstellung innerhalb der vielen verschiedenen Instrumentengruppen größtmögliche Einheitlichkeit zu erzielen, erstellte das GNM gemeinsam mit den Wissenschaftlern der Partnermuseen ein Dokument mit Empfehlungen zur Digitalisierung von Musikinstrumenten, den „MIMO digitisation standard“.

Ein Anfang

Mit dem Ende der Förderung durch die EU ist die Digitalisierung von Musikinstrumenten in Europa nicht abgeschlossen. Ein Ziel des Projekts war es, eine gemeinsame Infrastruktur zu schaffen, Standards zu setzen und Prozeduren zu entwickeln, um für die zahlreichen anderen Sammlungen in Deutschland, Europa und der Welt einen Anreiz zur Digitalisierung und Vernetzung ihrer Bestände zu schaffen und damit einen wichtigen Beitrag zur Forschung zu leisten. Dafür hält das MIMO-Konsortium den Pariser Server für zunächst fünf Jahre funktionsbereit, wirbt im Kreis des internationalen Musikinstrumentenkomitees CIMCIM im internationalen Museumsbund ICOM  um weitere Mitglieder und berät diese bei ihrem Einstig in MIMO - Musical Instrument Museums Online.

Projektmitarbeiter des GNM

Dr. Frank P. Bär (Projektleiter Digitalisierung)
Dr. Siegfried Krause Leitung IT-Arbeiten
Klaus Martius
Markus Raquet
Georg Ott

Projektmitarbeiter der EU

Thomas Bauereiß (EU), IT-Spezialist, Programmierung der OAI-PMH-Schnittstelle und Datenmapping

Franziska Pfefferkorn M.A. (EU), Volontärin, Assistenz der Projektleitung GNM, Organisation, Fotokoordination, Metadatenkontrolle

Petra Schneider (EU), studentische Hilfskraft, Metadatenkontrolle und Fotoassistenz

Stefan Oed (EU), Restaurator, konservatorische Betreuung der Instrumente, Transporte

Atelier für Fotodesign Kühnel, Nürnberg (EU)

 

Kooperationspartner

  • University of Edinburgh (UK)
    Projektleitung, Datenlieferung
    Erfahren Sie mehr

    Germanisches Nationalmuseum (DE)
    Leitung
    Digitalisierung
    Datenlieferung
    www.gnm.de

    Cité de la Musique Paris (FR)
    Leitung Harvesting
    Koordination mit Europeana
    Datenlieferung
    Erfahren Sie mehr

    Horniman Museum, London (UK)
    Leitung Thesauri und Klassifikation
    Erfahren Sie mehr

     

     

  • Koninklijk Museum voor Midden-Afrika / Musée royal de l'Afrique centrale, Tervuren (BE)
    Leitung Evaluierung
    Datenlieferung
    Erfahren Sie mehr

    Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum, Berlin (DE)
    Leitung Presse und Marketing
    Datenlieferung
    Erfahren Sie mehr

    Musik- & Teatermuseet, Stockholm (SE)
    Datenlieferung
    Presse und Marketing
    Erfahren Sie mehr

  • Muziekinstrumentenmuseum / Musée des instruments de musique, Brüssel (BE)
    Thesauri und Klassifizierung
    Datenlieferung
    Erfahren Sie mehr

    Universität Leipzig, Museum für Musikinstrumente, Leipzig (DE)
    Datenlieferung
    Erfahren Sie mehr

    Associazione "Amici del Museo degli Strumenti Musicali”, Florenz (IT)
    Datenlieferung
    Erfahren Sie mehr

    Università degli Studi di Firenze, Florenz (IT)
    Thesauri und Klassifizierung
    Erfahren Sie mehr