Renaissance. Barock. Aufklärung

Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert



Das Projekt vollendet die 1999 begonnene Sanierung und Neukonzeption des Galeriebaus und präsentiert deren Kernbereich des Museums neu.

Sanierung und Neukonzeption

Die Neueröffnung der Sammlung „Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert “ vollendet die 1999 begonnene Sanierung und Neukonzeption des Bestelmeyerschen Galeriebaus und ist ein wichtiges Etappenziel auf dem langen Weg der Generalsanierung des Germanischen Nationalmuseums. Innerhalb des breiten Sammlungsspektrums vom paläolithischen Faustkeil bis zur Gegenwart nehmen die Werke aus den drei Jahrhunderten der Frühen Neuzeit eine prominente Stellung ein und bilden zugleich einen Kernbereich der Forschungstätigkeit des Museums. Hauptwerke von Künstlern wie Albrecht Dürer, Peter Vischer, Lucas Cranach, Wenzel Jamnitzer oder Franz Xaver Messerschmidt repräsentieren Spitzenleistungen des künstlerischen Schaffens im deutschen Sprachraum. In der neuen Dauerausstellung werden ihre Schöpfungen nicht als isolierte Schau- und Prunkstücke inszeniert, sondern so weit wie möglich in ihren kulturgeschichtlichen Kontext eingebettet.


Der zeitliche Bogen der Schausammlung spannt sich von der Entdeckung der neuen Welt um 1500 bis zur Entwicklung eines neuen Welt- und Menschenbildes im Zeitalter der Aufklärung. Rund tausend Objekte in dreiunddreißig thematisch ausgerichteten Räumen erschließen zentrale Aspekte und Facetten der Kunst- und Kulturgeschichte nördlich der Alpen. Zu sehen sind neben Gemälden und Skulpturen auch Glasgemälde, Textilien, Kunsthandwerk, Schmuck, Medaillen, Möbel und Musikinstrumente sowie zwei historische Zimmer aus Nürnberger Bürgerhäusern der Renaissance. Im Dialog der Künste werden Leitthemen wie Sammeln und Repräsentieren, Antikenrezeption und Naturstudium lebendig, aber auch die Wechselwirkung von Kunst und Glauben sowie das sich wandelnde Bild vom Menschen.


Konzept und Präsentation verfolgen das Ziel, bisher getrennt ausgestellte Objektgruppen zusammenzuführen und die Separierung der Kunstgattungen weitestmöglich zu überwinden. Damit wirkt die Ausstellung der Auffächerung und Abgrenzung von Einzeldisziplinen der Kunst- und Kulturgeschichte entgegen und fördert ein integrales Verständnis der Sachkultur vergangener Jahrhunderte. Mit dem Blick auf Kontinuität und Wandel und die Gleichzeitigkeit vermeintlich gegensätzlicher oder zeitlich nur scheinbar aufeinander folgender Phänomene sollen herkömmliche Periodisierungen und Epochengrenzen durchlässiger werden. Durchlässigkeit und Transparenz stehen auch in der ästhetischen und didaktischen Gestaltung der Schausammlung im Vordergrund. Sie will den Besucher durch die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und sinnlicher Erlebnisse informieren und faszinieren.

Die Präsentation ist das Ergebnis der engen Zusammenarbeit von Kunst- und Kulturhistorikern, Restauratoren, Architekten, Lichtplanern und Graphikern. Viele der insgesamt rund 1000 ausgestellten Werke werden erstmals präsentiert und der Forschung zugänglich gemacht. Mit einem Kostenaufwand von ca. 5,5 Mio. Euro sind die 33 Ausstellungsräume mit einer Gesamtfläche von 1.800 m2 renoviert und neu gestaltet worden. Am 17. März 2010 wird die neue Schausammlung eröffnet und damit ein Kernbestand des Museums der Öffentlichkeit im neuen Glanz übergeben.

 

Konservierung und Restaurierung

Die Sanierung des Galeriebaus trug entscheidend zur hohen Qualität der konservatorischen Bedingungen in der Ausstellung bei. Der Energiebedarf wurde durch die Verbesserung der wärmetechnischen Eigenschaften von Raumschale, Dachflächen und Teilbereichen der Fassade deutlich verringert. Ein automatisch regulierter Sonnenschutz im Glasdach und der Einsatz spezieller Leuchtmittel wirken einem zu starken Temperaturanstieg in den Räumen entgegen. Zur Stabilisierung des Raumklimas findet außerdem ein neues, im Germanischen Nationalmuseum entwickeltes Steuerungsverfahren für Klimaanlagen Anwendung, durch das objektschädigende Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen gegenüber herkömmlichen Systemen minimiert werden.

Auch der Luftqualität kommt eine hohe Bedeutung für den Erhalt des Kulturerbes zu. Insbesondere Säuren, Formaldehyde und andere flüchtige organische Verbindungen wirken sich negativ auf die Exponate aus. Alle in der Ausstellung verwendeten Werkstoffe wurden daher nach festgelegten Kriterien auf ihre Schadstofffreiheit geprüft. Um unvermeidbare Schadstoffe zu binden, die etwa von den Objekten selbst ausgedünstet werden, sind die Vitrinen in eigens dafür vorgesehenen Fächern mit Materialien wie Aktivkohle oder Zinkoxid bestückt. Zur passiven Konditionierung der Luftfeuchtigkeit in den Vitrinen dienen außerdem Klimapuffer wie etwa Silicagele und Salzlösungen.

Besondere Beachtung verdienen die in Vorbereitung der Ausstellung durchgeführten technologischen Untersuchungen und die Restaurierung herausragender Objekte. Die Auswahl fiel zum einen auf Objekte, die aufgrund ihrer hohen Qualität und Bedeutung eine Schlüsselstellung innerhalb der Sammlung einnehmen. Zum anderen wurden Werke, die aufgrund ihres unbefriedigenden Erhaltungszustands jahrzehntelang im Depot lagerten, erst durch die aktuellen Maßnahmen wieder präsentationsfähig.