Historische Schlüssel und Schlösser im Germanischen Nationalmuseum


Bereits mit Gründung des Germanischen Nationalmuseums im Jahr 1852 ist eine rege Sammeltätigkeit im Bereich von Schmiede- und Schlosserarbeiten zu verzeichnen. In seinem ersten Katalog der „Bautheile und Baumaterialien“ aus dem Jahr 1868 verwies August von Essenwein (1831-1892) im Vorwort darauf, dass diese Sammlung noch einen geringen Umfang besitzen würde. Besonders wichtig war ihm die Sammlung der Schlosserarbeiten, deren Wert er hoch einschätzte: „Wenige Erzeugnisse sind so geeignet, auf den ersten Blick, den Geist des Mittelalters, wie er sich in allen Bethätigungen äußerte, so klar und augenfällig zu zeigen, wie die Erzeugnisse des Schlossergewerbes – oder der Schlosserkunst.“ Sein Appell, „disponibel“ gewordene Bauteile dem Museum zu übereignen, verhallte nicht ungehört. In den Sammlungen des Museums finden sich Objekte aus ganz Deutschland, ein großer Teil wurde jedoch direkt in Nürnberg, oder in der näheren Region erworben


Das Inventar verzeichnet so weit möglich auch die Provenienz der Stücke. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass Schlüssel und Schlösser wohl vor allem an ihrem Gebrauchsort hergestellt wurden. Dies dürfte in besonderem Maße auch für Nürnberg gelten, denn die ehemalige Reichsstadt verfügte über hervorragende Plat- und Glötschlosser. Eine Ausnahme können hier lediglich die mobilen Vorhängeschlösser darstellen.
Zu den Objekten des Germanischen Nationalmuseums kommen noch die nicht unerheblichen Sammlungsbestände des Gewerbemuseums, des früheren Bayerischen Gewerbemuseums in Nürnberg. Link Sammlung: Gewerbemuseum
Eine Einteilung der Handwerker erfolgte in der Regel nach den jeweils verarbeiteten Werkstoffen. Anders hingegen ist es bei den Berufen Schmied und Schlosser, die beide Metall verarbeiten, wobei Schmied die ursprüngliche Benennung dieses Berufsstandes ist. Der Schlosser dagegen stellte mechanisch feinere und künstlerisch anspruchsvollere Gegenstände von meist geringerer Größe als die Schmiede her.
Der höchste Grad der Spezialisierung im Handwerk überhaupt, ist bei den eisenverarbeitenden Handwerkern festzustellen. Durch einen hohen Grad der Spezialisierung hatte das Handwerk in Nürnberg ein größtmögliches Maß an Perfektion erreicht. Die starke Arbeitsteilung machte es außerdem möglich, Arbeitsgänge auf die kürzest mögliche Zeit zu beschränken, was wiederum die Herstellungskosten stark reduzierte. Der Markt wurde daher mit Nürnberger Produkten reichlich versorgt. Durch die arbeitsteilige Aufspaltung der Bereiche ergab sich ein starkes Anwachsen der Handwerksbetriebe, die den Werkstoff Schmiedeeisen verarbeiteten. Die gesamte Metallverarbeitung betrug im 16. Jahrhundert mehr als die Hälfte der Handwerksbetriebe und war damit fast fünfmal so stark wie das Textilgewerbe.
Trotz dem Nürnberg über keine Erzlagerstätten verfügte, entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der Eisenbearbeitung. Hier wurde die Differenzierung der Handwerke bis ins Kleinste betrieben, woraus sich auch eine sehr weitgehende Spezialisierung ergab. Damit wurde die bestmögliche Ausnutzung der Ressourcen an Material und Arbeitskraft erreicht. Durch die strenge Begrenzung der Arbeitskräfte handelte es sich jedoch immer noch um Handwerksbetriebe mit wenigen Mitarbeitern, von Manufakturen kann noch nicht gesprochen werden.
Die Eisenerzvorkommen in der Oberpfalz waren die notwendige Voraussetzung für die Stärke des Metallgewerbes in Nürnberg. Die benachbarte Oberpfalz fungierte als Zulieferer für die zahlreichen, eisenverarbeitenden Gewerke in der Reichsstadt.
Die Sammlung des Museums weist Schlüssel aus der Romanik und Gotik, zwei Nürnberger Stadttorschlüssel, Venezianische Schlüssel und Schlüsselgehänge auf. Zu den Besonderheiten zählen ein Schlüssel aus dem Kloster Maulbronn, ein Kammerherrenschlüssel und ein Tabakspfeifenschlüssel.
Türschlösser aus dem alten Nürnberger Rathaus, ein Malschloss aus Schmiedeeisen, unterschiedlich große Vorhängeschlösser in Kugelform, bis hin zu Erbsengröße, komplizierte Truhenschlösser mit Vexiereinrichtungen und ein Bayreuther Türschloss, das 1837 als Meisterstück angefertigt wurde, fanden den Weg in die Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums


Erscheinungstermin des Katalogs: Ende 2014


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  • Projektmitarbeiter

    Dr. Manfred Welker, assoziierter Wissenschaftler