Digitalfotografische Erfassung und Erstellung eines 3D-Computermodells des Behaim-Globus

Als die weltweit älteste erhaltene Darstellung des Erdballs in Kugelgestalt ist der Behaim-Globus des Germanischen Nationalmuseums eines der bedeutendsten Kulturzeugnisse der Geografiegeschichte.

Zeitgleich mit Kolumbus erster Amerikafahrt zwischen 1492 und 1494 angefertigt, dokumentieren sein Kartenbild und seine Beschriftungen das europäische Weltbild am Vorabend der großen Entdeckungen. Mit seinen 110 Miniaturen, ca. 2.000 Toponymen (Orts- und Flurnamen) und zahlreichen Kurz- und Langtexten besitzt er enzyklopädische Dimension und beachtlichen Quellenwert für das vorkolumbianische Wissen über die außereuropäische Welt.

Der Globus wurde zwischen 1492 und 1494 für den Nürnberger Rat geschaffen. Konzept und Inhalt stammen vom weit gereisten Nürnberger Tuchhändler und Seefahrer Martin Behaim (1459–1507), die Anfertigung unternahmen der Buchmaler und Illuminist Georg Glockendon, der Maler Hans Storch und der Schreiber Petrus Gagenhart sowie andere Nürnberger Spezialhandwerker. Der Globus war bestimmt für die „Kanzlei“ des Nürnberger Rates zunächst, der Verwaltungszentrale der Kommune. Später kam er in die Obere Regimentsstube des Nürnberger Rathauses.

In seiner Gesamtheit ist der Globus für die moderne Forschung bislang nur schwer zugänglich. Die jüngste Gesamtedition stammt aus dem Jahr 1908 und basiert auf fehlerhaften Faksimiles des 19. Jahrhunderts. Auch die erheblichen Überarbeitungen, Korrekturen und Reparaturen seiner Textur harren noch einer genaueren Identifikation und Bewertung. Deshalb sehen das Germanische Nationalmuseum als Eigentümer und die Universität Erlangen-Nürnberg als Projektpartner vor, das Globusbild digital erfassen und aufbereiten zu lassen, im Internet als virtuellen 3D-Globus frei verfügbar und recherchierbar zu machen sowie in einer Projekthauptphase eine moderne Lesung sämtlicher Textpartien und deren historisch-kritische Edition zu erarbeiten. Es soll auch eine neue Buchedition mit Bildteil und ausführlicher Kommentierung entstehen. Als Digitalisierungsgut kann der Behaim-Globus darüber hinaus in seiner Dreidimensionalität Maßstäbe setzen für vergleichbare Digitalisierungsprojekte und für eine der Konzeption eines „Epistemischen Web“ genügende Veröffentlichung dreidimensionaler, kulturhistorisch relevanter Bild- und Textträger. Zu diesem Aspekt besteht seitens der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg eine Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Es hat sich zudem bereits eine interdisziplinäre Gruppe von Wissenschaftlern gebildet, die sich der Erforschung des Behaim-Globus unter unterschiedlichen Fragestellungen widmen will.

Als Voraussetzung hierfür wurde der Globus im Sommer 2011digital hochauflösend fotografiert. Die erstellten Bilder werden derzeit mittels fotogrammetrischer Verfahren aufbereitet. Diese Arbeiten führt ein Team unter der Leitung des Experten für 3D-Modellierung der Eidgenössisch-Technischen Hochschule Zürich, Prof. Dr. Armin Grün, durch. Die Kosten für die mit neuester Digitaltechnik aufgenommenen Bilder des Globus und ihre Nachbearbeitung in Höhe von rund 40.000 € übernimmt dankenswerterweise die Staedtler-Stiftung.

Hier ein aktueller Bericht über die Vermessung und 3-D-Modellierung des Globus: PDF-Datei (07/2012)

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Projektmitarbeiter

Dr. Thomas Eser
Roland Schewe

Kooperationspartner

  • Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Prof. Dr. Mechthild Habermann (Institut für Germanistik)
    Prof. Dr. Günther Görz (Institut für Informatik)

  • Eidgenössisch-Technische Hochschule Zürich, Institut für Geodäsie und Photogrammetrie

    Prof. Dr. Armin Grün

  • Fondazione Bruno Kessler,
    Trento, 3DOM research unit
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