Frühneuzeitliche Kleidung im Germanischen Nationalmuseum


Projektlaufzeit:
2011 - 2015

Das Germanische Nationalmuseum besitzt circa 30 Kleidungsstücke und Accessoires aus der Zeit von 1580 bis 1650, die international zu den bedeutendsten musealen Beständen frühneuzeitlicher Kleidung gehören.

Der einzige Katalog, der den Bestand – unvollständig – erfasst, stammt aus dem Jahr 1926 (Walter Fries: Die Kostümsammlung des Germanischen Nationalmuseums zu Nürnberg. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1924/25 (1926), S. 3-65, bes. 3-36). Jüngere Bearbeitungen blieben vereinzelt und über die Fachliteratur verstreut. Die wissenschaftliche Neubearbeitung und Restaurierung der Kostüme ist daher seit langem ein Desiderat. Beides ist Ausgangspunkt eines Forschungs- und Ausstellungsprojekts, das die Kleidung als Teil der materiellen Kultur des 16. und 17. Jahrhunderts ebenso untersucht wie in ihrer sozialen Einbindung und medialen Rolle im Bild.

Kleidungskultur um 1600

Mit Originalkostümen und archäologischen Funden ist erstmals eine repräsentative Zusammenführung der beiden großen Gruppen vestimentärer Sachquellen der Frühen Neuzeit vorgesehen. Sequenzen zur Kleidungsproduktion (Schneiderbücher, Handwerksgerät etc.), zu Bedarfsdeckung, Pflege und Aufbewahrung geben Einblick in die frühneuzeitliche Kleidungspraxis.

Kleidung im Bild

Im zweiten Teil beschäftigt sich das Projekt mit der Lesbarkeit frühneuzeitlicher Kleidung im Bild. Das reiche Vokabular ständisch-repräsentativer, situationsbedingter, altersspezifischer oder nationaler Kleidungs-Codes ist für den heutigen Betrachter aus den historischen Kontexten heraus neu zu erschließen. Die auf Bildern „gemalte“ Kleidung ist nicht Spiegel der Realität, sondern Medium und Reflexionsfläche vielfältiger Aussagen im Dialog zwischen Auftraggeber und Rezipient.

Derzeit findet die Zeichenhaftigkeit gemalter Kleidung vermehrt in die kunsthistorische Methodendiskussion Eingang. Auch dafür wollen Projekt und Ausstellung notwendige kleidungshistorische Grundlagen zur Verfügung stellen.


Die Kostüme werden im digitalen Dokumentationssystem des GNM verzeichnet und in Neuaufnahmen bereitgestellt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der in Teilen die Funktion eines Bestandskataloges übernimmt.


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