Kulturgeschichte des Handwerks


Projektlaufzeit:
2009 bis 2015

Die Sammlung

Das GNM besitzt eine der größten deutschen Sammlungen an handwerksgeschichtlichen Relikten, die so genannte „Zunftaltertümersammlung". Im Unterschied zu lokal oder regional orientierten Beständen in Stadt- oder Landesmuseen überliefert sie eine größere und facettenreichere Bandbreite der Sachkultur des frühneuzeitlichen „Alten Handwerks“. Der Bestand setzt sich hauptsächlich aus zwei thematischen Gruppen zusammen, den auch „Zunftaltertümer“ genannten Korporationsrelikten sowie teilweise seltenen Werkzeugen und historischen Werkstatteinrichtungen. Einen Schwerpunkt in beiderlei Hinsicht bildet das besonders reich vertretene Nürnberger Handwerk.

Am Anfang steht … ein Rasiermesser

In der 1856 unter dem Museumsgründer Hans von und zu Aufseß veröffentlichten Denkschrift zu „Organismus und Sammlungen“ des Germanischen Nationalmuseums sind in der „Zweiten Abtheilung: Kunst- und Alterthums-Sammlungen“ bereits einige handwerksgeschichtliche Relikte berücksichtigt, etwa ein Rasiermesser als Referenzobjekt für handwerkliche Dienstleistungen. Eine differenzierende Dokumentation gewerblicher Tätigkeit zählte somit von Anfang an zu den weitgesteckten Sammlungszielen des Museums.

„Zunftaltertümer“, Werkzeug, Werkstätten

Korporative Relikte kamen in größerer Anzahl erst seit den späten 1860er Jahren in die Sammlung. Dies wohl nicht zuletzt deshalb, weil die gewerkspezifischen Zünfte in Deutschland bis 1868, teilweise länger existierten. Sie waren Teil der gelebten Gegenwart und so gab es keinen Grund deren Requisiten museal zu sichern. Eine quantitativ wie qualitativ gesteigerte Sammeltätigkeit entfaltete das GNM unter dem von 1866 bis 1891 amtierenden Direktor, August von Essenwein. In dessen Amtszeit fällt die wichtige Akquise der Nürnberger Zunftaltertümer, die seither als Deposita der Stadt Nürnberg im GNM aufbewahrt und ausgestellt werden. Diese Nürnberger Stücke sind trotz bedeutender Neuerwerbungen der Kern der Sammlung geblieben. Seit den 1880er Jahren konnte das GNM seine vor allem durch den Erwerb von ergänzenden Einzelstücken anwachsende Spezialsammlung deutlich erweitern. Dank großzügiger Schenkungen und Stiftungen, von denen das umfangreiche Zunftzinn des Kommerzienrates Kahlbaum zu den wichtigsten zählt, gelang es, der Sammlung überregionalen Charakter zu verleihen. Bis in die frühen 1940er Jahre konnten in erster Linie weitere dekorative Werkzeuge und vor allem Werkstatteinrichtungen erworben werden. Diese wurden teilweise komplett übernommen oder aus gezielten Einzelerwerbungen heraus gruppiert und raumweise ausgestellt. Seit den späten 1940er Jahren befand sich der größte Teil Bestands zunächst wohlverwahrt im Depot. Zum 125-jährigen Jubiläum des Museums im Jahre 1977 wurde schließlich die neu konzipierte „Zunftaltertümer“-Dauerausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ausgangssituation 2009

Die handwerksgeschichtliche Sammlung des GNM setzt sich aus ca. 4.000 Objekten und Dokumenten zusammen. Von diesen ist rund die Hälfte den so genannten „Zunftaltertümern“, also den Korporationsrelikten, zuzurechnen. Die andere Hälfte sind Werkzeuge der unterschiedlichsten Gewerke, wobei vor allem dekorative oder exzeptionelle Stücke sowie Werkzeugensembles, welche als Teil von Werkstatteinrichtungen erworben wurden, im Bestand dominieren. Der Dokumentationsstand entsprach zu Projektbeginn zum überwiegenden Teil dem jeweiligen Ersteintrag, ging demnach teilweise auf das 19. Jahrhundert zurück. Entsprechend heterogen stellte sich in diesen Fällen die Erfassungstiefe dar. Andere Objektgruppen, in erster Linie die Werkstatteinrichtungen, waren überhaupt nicht inventarmäßig differenziert. In vielen Fällen hatte der fortgeschrittene Forschungsstand keinen Eingang in die Dokumentation gefunden, weswegen diese auch nicht mehr zeitgemäß war.

Aufgaben und Ergebnisse

Die Aufgabe des Projektes „Kulturgeschichte des Handwerks“ ist es, zunächst den gesamten Bestand unter Nutzung zeitgemäßer Mittel neu zu erfassen, in dessen Dokumentation den aktuellen Forschungsstand einzuarbeiten und Lücken gegebenenfalls durch eigene Forschungen zu schließen. Hiermit werden auch Grundlagen für eine angemessene zukünftige Neupräsentation geschaffen. Angestrebt wird die Publikation des Bestandes in zwei Abschnitten, zuerst die frühneuzeitlichen Werkzeuge und anschließend die korporativen Relikte. Der erste Teil ist zur Veröffentlichung in 2012 vorgesehen. Der zweite Teil wird im Anschluss an die große Sonderausstellung „Zünftig! Geheimnisvolles Handwerk 1500–1800“ im Jahr 2013, welche die vielschichtigen Ergebnissen des Projektes präsentieren wird, erscheinen. Grundlegende Neuerkenntnisse zu bedeutenden „Zunftaltertümern“ konnten gewonnen und der Werkzeugbestand präzisier beschrieben werden. So wurde beispielsweise der älteste Wurstbügel Europas oder eine zu einem Hackmesser umgearbeitete Hartschierkuse vom Wiener Kaiserhof identifiziert.

Der Bestandskatalog „Werkzeug der Frühneuzeit“ ist bereits erschienen  Katalog online bestellen. Der zweite Bestandskatalog zu den korporationsgeschichtlichen Relikten ist für 2014 geplant. Die digitale Erfassung der „Zunftaltertümersammlung“ (Präfix Z) wird bis Ende 2011 bis auf wenige Teilbestände abgeschlossen sein.

Zurück zur Übersicht

Projektmitarbeiter und -mitarbeiterinnen

Dr. Ralf Schürer    
Dr. Anke Keller    
Dr. Barbara Rök    
Birgit Schübel