Musikinstrumente sammeln - das Beispiel Rück

 

Projektlaufzeit: 01.06.2015 - 31.05.2018
Förderung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft


Die 1962 vom Germanischen Nationalmuseum erworbene musikhistorische Sammlung Rück gilt als eine der größten privaten Musikinstrumentensammlungen in Deutschland. Sie umfasst rund 1.500 Musikinstrumente und Zubehörteile, 100 Blatt Graphik, Gemälde, eine Fotodokumentation sowie eine Fachbibliothek mit rund 500 Titeln.
 

Die Korrespondenz der Sammlung Rück

Das Archiv der Sammlung Rück enthält Briefwechsel mit 1.026 Adressaten und bietet einzigartige Einblicke in den Handel mit historischen Musikinstrumenten zwischen Weltwirtschaftskrise und Wirtschaftswunderjahren. Gegründet wurde die Sammlung um 1880 von dem Pianisten und Lehrer Wilhelm Rück, der um 1909 einen Teil seiner Sammlung dem Kölner Papierfabrikanten Wilhelm Heyer verkaufte. Im November 1912 hinterließ Rück seiner Ehefrau Margarethe sowie den beiden Söhnen Hans und Dr. Ing. Ulrich Rück rund 450 Musikinstrumente und Zubehörteile; leider sind deren Erwerbsdaten nur in Einzelfällen bekannt. Nach einer „Ruhephase“ begannen die Söhne 1929 mit dem systematischen Ausbau der Sammlung. Finanzielle Basis war das im Mai 1892 gegründete „Pianohaus Wilhelm Rück, Nürnberg“ in der Nürnberger Tafelfeldstraße 22–24, dem die Brüder Rück 1932 öffentlich zugängliche Sammlungsräume angliederten. Während der promovierte Chemiker Ulrich Rück akribisch die Korrespondenz führte, widmete sich sein älterer Bruder Hans, ein studierter Pianist, der Künstlerbetreuung und stellte auf Geschäftsreisen Kontakte zu Sammlern her. Am Weihnachtstag 1940 erlag er in Wien den Folgen eines Unfalls, sodass Ulrich Rück fortan alleine für den Erhalt und Ausbau der Sammlung sorgen musste.
 

Die Korrespondenz als Spiegel der Sammlung

In zahlreichen Briefen berichtet Ulrich Rück über die Zielsetzung seiner Sammlungsbestrebungen, nämlich die Entwicklung der abendländischen Musikinstrumente mit dem entwicklungsgeschichtlich relevanten Umfeld der außereuropäischen Musikinstrumente zu dokumentieren. Darin unterscheidet sich die Sammlung Rück von ähnlich gelagerten privaten Initiativen, beispielsweise der „Musikhistorischen Sammlung Neupert“, die im Juli 1929 im alten Nürnberger Waagamtsgebäude bei der Hauptkirche St. Sebald ihre Pforten für die Öffentlichkeit geöffnet und ihren Schwerpunkt auf die Entwicklung der Tasteninstrumente gelegt hatte.Ulrich Rück tritt in der Korrespondenz nicht nur als Sammler, sondern auch als Händler und Vermittler historischer Musikinstrumente auf. So diente er beispielsweise seit Mitte der 1930er Jahre Georg Neuner als gefragter Ratgeber und Lieferant beim Auf- und Ausbau der Musikinstrumentensammlung im Münchner Stadtmuseum, beschaffte historische Tasteninstrumente für Tobias Norlind und das Musikhistoriska Museet in Stockholm oder belieferte das Händel-Haus in Halle/Saale. Bis etwa 1943 ließ er nahezu jedes Angebot durch seine Vertrauensleute, den Kölner Musikwissenschaftler Dr. Georg Kinsky und den Restaurator der Berliner Sammlung alter Musikinstrumente, Adolf Hartmann, begutachten und Marktwerte ermitteln.
 

Grundlagenforschung mit Hilfe der Korrespondenz

Das Korrespondenzarchiv der Sammlung Rück bietet in einzigartiger Weise faszinierende Einblicke in Aufbau und Funktion einer der größten deutschen Privatsammlungen. Die heute im Historischen Archiv des GNM verwahrten Korrespondenzstücke ermöglichen es, für die meisten der zwischen 1930 und 1962 erworbenen Musikinstrumente die entsprechenden, als marktgängig anzunehmenden Ankaufspreise zu ermitteln und in Verbindung mit den im GNM überlieferten Musikinstrumenten der Sammlung Rück einen Preisspiegel für den Handel mit historischen Musikinstrumenten jener Zeit zu erstellen. Nicht zuletzt aus konservatorischen Gründen werden sämtliche Schriftstücke zu Projektbeginn digitalisiert. Neben der Ermittlung und Dokumentation der jeweiligen Erwerbsvorgänge bzw. der zugehörigen Provenienzen werden im DFG-Forschungsprojekt „Sammlung Rück“ exemplarisch die Strategie zur Bildung eines themenorientierten europäischen Netzwerks mit dem Ziel des Aufbaus einer bedeutenden Musikinstrumentensammlung sowie erstmals die Geschichte dieser bemerkenswerten Privatsammlung ausführlich dargestellt. Die Erwerbsdaten werden online in einer WissKI-Datenbank zugänglich sein.

 

Projektmitarbeiter

 

Dr. Frank P. Bär  (Projektleiter)
Dr. des. Dominik von Roth M.A.  (Projektkoordinator)
Linda Escherich M.A.  (Projektmitarbeiterin)

 

 

 

 


Zurück zur Übersicht

GNM Highlight
aus der Dauerausstellung

PRIVATE PASSION – PUBLIC CHALLENGE MUSIKINSTRUMENTE SAMMELN IN GESCHICHTE UND GEGENWART

INTERNATIONALE KONFERENZ 9.–11. Mai 2017
Programm