systematische provenienzforschung

 

Projekt I
Laufzeit: November 2014 bis Oktober 2016
Förderung: Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Projekt II
Laufzeit: November 2016 bis Oktober 2017
Förderung: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste

 

 

Die Aufgabe

Provenienzforschung als Teilgebiet der Geschichte und der Kunstgeschichte gibt Aufschluss über die wechselnden Besitzer eines Objektes. Sie dient zur Bestätigung der Originalität von Kunstwerken, zur Rekonstruktion von Sammlungen sowie zur Feststellung der Eigentumsverhältnisse. Aufgabe des Projektes ist es, Objekte, die zwischen 1933 und 1945 den Weg in das Museum fanden, auf ihre Herkunftsgeschichte zu untersuchen. Im Fokus der Forschungen stehen die Sammlungsbereiche Gemälde bis 1800, Skulptur bis 1800, Kunsthandwerk bis 1800, Kunst und Kultur des 19./ 20. Jahrhunderts, Wissenschaftliche Instrumente sowie Möbel.

Das Ziel

Ziel des Projektes ist es, Objekte ausfindig zu machen, die aufgrund ihrer Herkunftsgeschichte vermuten lassen, dass sie während der nationalsozialistischen Herrschaft ihren Eigentümern unrechtmäßig entzogen oder diese verfolgungsbedingt zum Verkauf gezwungen wurden. Im Verdachtsfall werden die Verfolgungsgeschichte der vermutlichen Eigentümer sowie die detaillierten Umstände, die zu der Veräußerung geführt haben, dargestellt. Objekte, bei denen ein NS-verfolgungsbedingter Entzug zwischen 1933 und 1945 nicht auszuschließen ist, werden in der LostArt-Datenbank als Fundmeldung veröffentlicht. Bei nachweislich NS-verfolgungsbedingt entzogenen Objekten schließt sich die Suche nach den Erben an. Gemeinsam mit den Beteiligten wird sich das GNM in diesen Fällen bemühen, zu fairen und gerechten Lösungen zu gelangen.

Der Weg

Ausgangspunkt der Untersuchungen sind die im GNM vorhandenen Unterlagen und Aufzeichnungen zu den Sammlungsobjekten, die Erwerbsakten sowie die Korrespondenzen der damaligen GNM-Mitarbeiter. Auf dieser Quellengrundlage sowie unter Berücksichtigung deutlicher Verdachtsmomente, wie z. B. Namen von bekannten Sammlern oder einschlägig bekannten Kunst- und Auktionshäusern, Erwerb auf einer Versteigerung, etwa einer sogenannten „Judenauktion“ oder ein auffallend niedriger Kaufpreis, wurde eine erste Kategorisierung (A. unverdächtig; B. Provenienzlücken vorhanden; C. bedenklich; D. eindeutig belastet) der Objekte vorgenommen. Die Projektmitarbeiter recherchieren in verschiedenen externen Archiven, durchforsten Ausstellungs- und Versteigerungskataloge, führen Objektautopsien durch, korrespondieren mit Archiven, Kunsthändlern, Auktionshäusern und stehen in regelmäßigem Wissensaustausch innerhalb des Netzwerkes der ProvenienzforscherInnen. Die aufwendig gesammelten Fakten werden akribisch in einer Datenbank erfasst. Die Auswertung der Daten ermöglicht es den Wissenschaftlern, wechselnde Eigentümer eines Objektes festzustellen und die dem Objekt zugeordnete Kategorie zu prüfen. Erhärten sich die Verdachtsmomente eines in die Kategorie „bedenklich“ oder  „eindeutig belastet“ eingestuften Objektes, so sind weitere entscheidende Fragen zu beantworten, wie z.B.: Wurde der ermittelte Eigentümer in der Zeit von 1933 bis 1945 aus rassischen, politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen verfolgt?  Erfolgte in diesem  Zeitraum ein Vermögensverlust durch Zwangsverkauf, Enteignung oder auf sonstige Weise?  Erhielt der Veräußerer einen angemessenen Kaufpreis, über den er frei verfügen konnte? Durch die Auswertung von Entschädigungs-und Wiedergutmachungsakten wird ermittelt, inwieweit bereits Entschädigungs- oder Wiedergutmachungsleistungen erfolgten und ob das Objekt in der Entschädigungs- oder Wiedergutmachungsmasse enthalten ist. Am Ende des Weges steht die Suche nach den ermittelten Eigentümern bzw. deren Rechtsnachfolgern.

Die Ergebnisse des Projektes

Die Untersuchung der Objekte aus den Sammlungsbereichen Gemälde bis 1800, Skulptur bis 1800 sowie des 19./20. Jahrhunderts konnten abgeschlossen und im Bereich Kunsthandwerk bis 1800 begonnen werden. Es wurden insgesamt 854 Objekte untersucht, davon 104 Gemälde, 111 Skulpturen, 24 Objekte aus der Sammlung 19./20. Jhd., 230 kunsthandwerkliche Objekte sowie das 385 Objekte umfassende Konvolut der Sammlung Heiland.

Der Abschluss

Zum Abschluss des 3-jährigen Forschungsprojektes werden Ergebnisse im Herbst 2017 in einer Ausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt. Dazu erscheint eine ausstellungsbegleitende Publikation. Die Veröffentlichung der vollständigen Forschungsergebnisse erfolgt voraussichtlich 2018.
Zur Ausstellung

 

 

Projektmitarbeiter

Dr. Anne-Cathrin Schreck (Projektleiterin; ohne Foto)
Dr. Anja Ebert (wiss. Mitarbeiterin, Kunsthistorikerin)
Dr. Timo Saalmann (wiss. Mitarbeiter, Historiker)
Julia Woltermann M.A. (wiss. Hilfskraft)

 

 
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