06.09.2022 - 30.07.2023

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Über die Ausstellung

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebten die Menschen in den demokratisch organisierten Ländern Westeuropas weitestgehend im Frieden miteinander, der ihnen ein hohes Maß an Wohlstand und Sicherheit gewährte.

Der Überfall Russlands auf die Ukraine im März 2022 hat diese Stabilität plötzlich ins Wanken gebracht. Ein Blick in die Geschichte lehrt uns jedoch, dass Kriege in allen Phasen der Menschheitsgeschichte ein fast selbstverständlicher Teil des Alltagslebens waren – genauso wie der Wunsch nach dauerhaftem Frieden.

Die Sammlung des Germanischen Nationalmuseums besitzt zahlreiche Objekte, die mit Krieg und Frieden in Verbindung stehen. Sie zeigen zum einen, dass Kriege von Herrschern und „starken Männern“ oft verherrlicht wurden, um ihre Macht zu sichern oder gar „höhere Ziele“ zu erreichen. Sie legen aber auch die damit verbundenen unmenschlichen Grausamkeiten und Zerstörungen kultureller Identitäten schonungslos offen. Im Gegensatz dazu geben viele Objekte dem Wunsch nach Frieden und Gewaltlosigkeit Ausdruck und versuchen Wege in eine bessere Welt aufzuzeigen.

Mit der Ausstellung machen wir in vier thematisch unterschiedlichen und zeitlich gestaffelten Abschnitten deutlich, dass die Erkenntnis - Frieden ermöglicht Wohlstand, Krieg zerstört ihn - nicht "naturgegeben" ist.

Eine Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte in München

Johann W.H.Tischbein,
Bildnis Ernestine Tischbein, um 1810,
Öl auf Leinwand

Was hat es mit der Taube in Ernestines Händen auf sich?

Die Taube ist eines der ältesten Symbole für Liebe, Unschuld und Frieden. Im Alten Testament kehrt die von Noah nach der Sintflut ausgesandte Taube mit einem Olivenzweig zurück. Ein Zeichen, dass Gott mit den Menschen Frieden geschlossen hat.

Warum malte Tischbein dieses Bild?

Das Gemälde entstand in einer politisch sehr unruhigen Zeit. In Europa herrschte durch die Eroberungsfeldzüge Napoleons immer wieder große Not. Mit dem Gemälde wollte Tischbein zeigen, dass er seiner Tochter Ernestine ein Leben in Frieden und Liebe wünscht.

Wird die Taube noch heute als Symbol verwendet?

1949 machte Pablo Picasso mit einem Plakat die Taube als Friedenssymbol nach dem Zweiten Weltkrieg wieder populär. Und auch die von der Friedenbewegung seit den 1970er Jahren verwendete Silhouette einer weißen Taube auf blauem Grund fungiert als eindeutiges Friedenssymbol, das noch heute erkannt wird.

LKW mit Flakgeschütz,
Nürnberg, 1935/39,
Weißblech, lackiert

Wem gehörte die Firma Tipp & Co., die in Nürnberg traditionelles Blechspielzeug herstellte, bis 1933?

Die 1912 gegründete Firma gehörte ab 1918 Philipp Ullmann (1883-1971). Er entwickelte sie zu einem führenden Unternehmen für Blechspielzeug. Als Jude wurde er 1933 enteignet und musste nach England fliehen. Der überzeugte Nationalsozialist Ernst Horn (*1884) übernahm die Geschäfte. Erst 1948 erhielt Ullmann seine Firma zurück.

Welches Spielzeug wurde zwischen 1933 und 1945 produziert?

Nach 1933 stellte man die Produktion auf Militär- und Propagandaspielzeug um. Ab 1940 wurden zudem Aufträge der Rüstungsindustrie ausgeführt. Nachdem die Fertigung von Blechspielzeug 1942 aufgegeben wurde, fertigten Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter die von der Wehrmacht georderten Teile.

Ist Kriegsspielzeug eine Erfindung des 20. Jahrhunderts?

Kriegsspielzeug ist keine moderne Erfindung. Auch das Schachspiel ist ein Kriegsspiel, bei dem sich zwei Heere auf einem Schlachtfeld gegenüberstehen. Im 18. Jahrhundert nimmt die „Militarisierung des Kinderzimmers“ durch Zinnsoldaten deutlich zu. Heute hingegen dominieren Computerspiele das Kriegsspielzeug.

Harald Duwe,
Bombenopfer, 1983
Öl auf Leinwand

 

Woran erinnert das Gemälde von Harald Duwe?

Der Künstler erinnert mit dem 1983 entstandenen Bild an die 1933 erfolgte Machtübernahme der Nationalsozialisten, die die Welt später in einen gewaltigen Krieg stürzen sollten. Insgesamt starben 1939-1945 schätzungsweise 70 Millionen Menschen.

Was ist 1983 passiert, dass ein solch eindringliches Gemälde entstand?

Um der Bedrohung durch sowjetische Atomraketen entgegenzutreten, wurden ab 1983 auch in Westeuropa Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen aufgestellt. Deshalb herrschte Angst vor einem erneuten Weltkrieg, der die gesamte Welt hätte vernichten können.

Woher nahm Harald Duwe sein Motiv?

Harald Duwe machte im Zweiten Weltkrieg viele negative Erfahrungen. Während er 1943 beim Reichsarbeitsdienst eingesetzt wurde, zerstörten Bomben sein Hamburger Elternhaus. 1944 erlebte er die ersten Bombenangriffe auf Leipzig. Schließlich wurde er als Luftwaffensoldat eingezogen und geriet 1945 kurz in Kriegsgefangenschaft.