Medienexplosion

Der fundamentale Wandel der privaten und öffentlichen Kommunikation im 19. Jahrhundert hatte weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen: Neue Möglichkeiten des Nachrichtentransfers förderten auf der einen Seite den Emanzipationsprozess des Bürgertums, forcierten auf der anderen Seite aber auch die Beeinflussung der Bevölkerung in ihrer Rolle als Staatsbürger und Konsumenten.

Vier Aspekte stehen bei der Untersuchung des Phänomens „Medienexplosion“ im Vordergrund:

1. Wandel individueller Kommunikationsformen
Die Entwicklung vom Brief über die Postkarte bis zu Telegramm und Telefonat als Möglichkeit des unmittelbaren Gesprächs spiegelt die tiefgreifenden Veränderungen der sozialen Beziehungen. Das Museum verfügt über eine Fülle von Objekten wie Briefsteller, besondere Schreibmittel und -utensilien (Stahlfeder, Schreibmaschine, standardisiertes Briefpapier, Postkarten) sowie Schreibmöbel, mittels derer die neuen Kommunikationspraktiken erleichtert und kultiviert wurden.

2. Bildung der öffentlichen Meinung durch illustrierte Presse und Bildpublizistik
Neben politischen Maßnahmen führten die Beschleunigung der Druckprozesse, neue grafische Reproduktionstechniken und fotografische Verfahren über Bilderbogen und Flugblätter zur Entstehung einer illustrierten Massenpresse und des Bildjournalismus. Das unbegrenzt, schnell und billig reproduzierbare Bild eröffnete einerseits dem breiten Publikum neue Informationsmöglichkeiten, andererseits der Publizistik eine massenwirksame Modellierung der öffentlichen Meinung.

3. Die Entwicklung kommerzieller Werbung
Mit steigendem Warenangebot entwickelte sich eine differenzierte Werbung. Aushänger, Annoncen in Intelligenzblättern, Geschäftswerbung in Form von Briefköpfen, Werbekarten und Plakaten suchten das Interesse der Käufer zu wecken. Als Produkt der Großstadt erschloss das Plakat zunehmend Käuferschichten für Haushaltswaren, Lebensmittel und andere Artikel. Das Produktplakat wurde zum Leitmedium der modernen Konsumgesellschaft.

4. Entstehung einer modernen Unterhaltungsindustrie
Dem Bedürfnis des breiten Publikums nach immer täuschenderen Bilderwelten kam die Erfindung einer Vielzahl zwei- und dreidimensionaler Illusionsmedien mit einem weiten Spektrum optischer Effekte entgegen: Guckkasten, Papiertheater, Verwandlungskarten, Laterna Magica, Diorama und Panorama – auch im handlichen Kleinformat – und schließlich der Stummfilm faszinierten die Zuschauer. Das Spiel mit dem Schein veränderte die Wahrnehmung der Bildwelt und förderte die Entwicklung eines modernen Massenpublikumsgeschmacks. Diese Lust an immer neuen visuellen Reizen und illusionistischen Effekten lässt ein um die Jahrhundertwende entstandenes Magazinstereoskop auch heute noch unmittelbar erfahrbar werden.
 

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