Musikkultur

Von Konfuzius ist der Satz überliefert: „Wollt ihr wissen, ob ein Land wohl regiert und gut gesittet sei, so hört seine Musik.“ Die Musikproduktion und -pflege waren nicht nur für den chinesischen Gelehrten des 5. Jh. v. Chr. ein Thema, denn auch in Mitteleuropa begleitet Musik die Menschen in ihrem Leben. Auch wenn die Musik eine wortlose Kunst ist, lassen sich in der Pflege und Produktion von Musik gesellschaftliche Umbrüche ebenso wie technische Entwicklungen ablesen. So entstanden beispielsweise im langen 19. Jahrhundert zwischen Französischer Revolution und Erstem Weltkrieg die öffentlichen Konzerte, die den Menschen Unterhaltung und Zerstreuung boten und die bis heute gepflegte Trennung in „unterhaltende“ und „ernste“ Musik einleiteten. Im Rahmen des SAW-Projektes „Wege in die Moderne“ gehen wir diesen Einflüssen und Spuren in den Beständen des Germanischen Nationalmuseums nach. Dabei geht es weniger um das Aufspüren und Gruppieren von alten Musikinstrumenten oder vergilbten Notenblättern, sondern zunächst um die Frage „wer musiziert was in welchem Kontext“.

Für große Teile des Musiklebens wurde im 19. Jahrhundert das Hammerklavier zum bestimmenden Instrument. Die Industrialisierung, die Entwicklung neuer Materialien und vor allem der internationale Austausch auf Gewerbe- und Weltausstellungen sorgten für einen Entwicklungsschub, denen die bis heute üblichen Formen des aufrechten Pianinos und der etwas mehr Platz beanspruchenden Flügelform entstammen. Im Bildungskanon des wohlhabenden Großbürgertums und des Adels spielt das Tasteninstrument ebenso eine zentrale Rolle, wie bei Handwerkern, und Kleinbürgern, die sich zuweilen nur Mietinstrumente leisten konnten. 1852 bemerkte die Schriftstellerin Johanna Kinkel mit leicht ironischem Unterton: „Warum gerade die Musik eine so ausschließliche gesellschaftliche Mode geworden ist, begreife ich nicht. Ein gebildetes Haus, in dem kein Clavier stünde, gälte für eine Unmöglichkeit. Mädchen, die kein Gedicht richtig vorlesen können, lernen dennoch singen. Kaum, dass man eine Gesellschaft besuchen kann, ohne Musik ausstehen zu müssen, und was für entsetzliche Musik!“ (aus: Acht Briefe an eine Freundin über Clavier-Unterricht, Brief V, London 1852, S. 37f.) Eine besondere Form sind Nähtisch- und Nähkästchenklaviere, die im Biedermeier beliebt waren und für junge Mädchen aus wohlhabenden Familien in geradezu idealtypischer Weise die musikalische Zerstreuung mit textilem Handarbeiten verbanden.

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