Musikinstrumente sammeln - das Beispiel Rück

 

Projektlaufzeit: 01.06.2015 - 30.09.2018
Förderung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft


Die 1962 an das Germanische Nationalmuseum verkaufte musikhistorische Sammlung Dr. Dr. h.c. Ulrich Rück gilt als eine der größten privaten Musikinstrumentensammlungen in Deutschland. Sie umfasst rund 1.500 Musikinstrumente und Zubehörteile, 100 Blatt Grafik, Gemälde, eine Fotodokumentation, eine Fachbibliothek mit rund 500 Titeln sowie die Sammlungskorrespondenz mit über 17.000 Dokumenten und Briefen.

Die Korrespondenz der Sammlung Rück

Die Sammlungskorrespondenz enthält Briefwechsel mit über 1.000 Adressat/innen und bietet einzigartige Einblicke in den Handel mit historischen Musikinstrumenten zwischen Weltwirtschaftskrise und Wirtschaftswunderjahren. Gegründet wurde die Sammlung um 1880 von Wilhelm Rück (1849–1912), einem Volksschullehrer und leidenschaftlichen Musiker. Erhaltene Dokumente aus dieser frühen Zeit der Sammlung sind rar, doch aufgrund der öffentlichen Sichtbarkeit einzelner Objekte umso aufschlussreicher. Mindestens 12 seiner alten Instrumente zeigte er 1906 im historischen Teil der Landesgewerbeausstellung der Stadt Nürnberg, im Mai 1908 verkaufte er bereits 56 Zithern an den Kölner Papierfabrikanten Wilhelm Heyer. Mit seinem Tod im November 1912 hinterließ Wilhelm Rück seiner Ehefrau Margarete (1854–1926) und den beiden Söhnen Hans und Ulrich einen Bestand von knapp 500 Musikinstrumenten und Zubehörteilen. Die in der Korrespondenz überlieferten Verzeichnisse gliedern diese in rund 110 Streichinstrumente und 36 separat aufgeführte Bögen für Geigen, Bässe und Gamben sowie den eigentlichen Sammlungsbestand von 344 Instrumenten; deren Erwerbsdaten sind jedoch nur in Einzelfällen bekannt.
Nach einer „Ruhephase“, in welcher der gesamte Bestand über den Ersten Weltkrieg und die Inflation hinweg unberührt blieb, begannen die Söhne 1929 mit dem systematischen Ausbau der Sammlung. Gleichzeitig wurden alle ausgehenden Dokumente fortan mit Durchschlag erstellt und archiviert. Finanzielle Basis war das im Mai 1892 gegründete „Pianohaus Wilhelm Rück“ in der Nürnberger Tafelfeldstraße 22–24, wo die Brüder Rück ab 1930 auch öffentlich zugängliche Sammlungsräume einrichteten. Während der promovierte Chemiker Ulrich Rück (1882–1962) akribisch die Korrespondenz führte, widmete sich sein älterer Bruder Hans (1876–1940), Lehrer und Pianist, der Künstlerbetreuung und stellte auf Geschäftsreisen Kontakte zu Sammler/innen her. Am Weihnachtstag 1940 erlag er in Wien den Folgen eines Unfalls, sodass Ulrich Rück fortan alleine für den Erhalt und Ausbau der Sammlung sorgen musste.
 

Die Korrespondenz als Spiegel der Sammlung

In zahlreichen Briefen berichtet Ulrich Rück über die Zielsetzung seiner Sammlungsbestrebungen: die Dokumentation der Entwicklung der abendländischen Musikinstrumente samt dem dafür relevanten Umfeld der außereuropäischen Instrumente. Damit unterscheidet sich die Sammlung Rück von ähnlich gelagerten privaten Initiativen, beispielsweise der „Musikhistorischen Sammlung Neupert“, die im Juli 1929 im alten Nürnberger Waagamtsgebäude bei der Hauptkirche St. Sebald ihre Pforten geöffnet und ihren Schwerpunkt auf die Entwicklung der Tasteninstrumente gelegt hatte. Ulrich Rück tritt in der Korrespondenz nicht nur als Sammler, sondern auch als Händler und Vermittler historischer Musikinstrumente auf. So war er seit Mitte der 1930er Jahre maßgeblicher Initiator, Ratgeber und Lieferant beim Auf- und Ausbau der Musikinstrumentensammlung im Münchner Stadtmuseum, beschaffte historische Tasteninstrumente für das Musikhistoriska Museet in Stockholm und für das Kunsthistorische Museum Wien, ebenso belieferte er das Händel-Haus in Halle/Saale. Bis zum Zweiten Weltkrieg ließ er nahezu jedes Angebot durch seine Vertrauensleute, den Kölner Musikwissenschaftler Georg Kinsky und den Restaurator der Berliner Sammlung alter Musikinstrumente, Adolf Hartmann, begutachten und Marktwerte ermitteln.

Grundlagenforschung mit Hilfe der Korrespondenz

Das Korrespondenzarchiv der Sammlung Rück bietet in einzigartiger Weise faszinierende Einblicke in Aufbau und Funktion einer der größten deutschen Privatsammlungen. Die heute im Historischen Archiv des GNM verwahrten Korrespondenzstücke ermöglichen es, für die meisten der zwischen 1929 und 1962 erworbenen Musikinstrumente die entsprechenden, als marktgängig anzunehmenden Ankaufspreise zu ermitteln und in Verbindung mit den im GNM überlieferten Objekte der Sammlung Rück einen Preisspiegel für den Handel mit historischen Musikinstrumenten jener Zeit zu erstellen. Nicht zuletzt aus konservatorischen Gründen wurden alle Schriftstücke zu Projektbeginn digitalisiert und können sämtlich über das RückPortal abgerufen und nach Stichworten sowie im Volltext durchsucht werden.
Neben der Ermittlung und Dokumentation der jeweiligen Erwerbsvorgänge bzw. der zugehörigen Provenienzen wurde im DFG-Projekt „Rück“ exemplarisch die Strategie zur Bildung eines themenorientierten europäischen Netzwerks mit dem Ziel des Aufbaus einer bedeutenden Musikinstrumentensammlung herausgearbeitet. Darüber hinaus wurde das sich gegenseitig bedingende Mit- und Nebeneinander von Sammlung und dem Pianohaus Rück, der privaten Sammelleidenschaft und dem rein wirtschaftlich orientierten Verkauf moderner Flügel und Klaviere eingehend beleuchtet. Die Geschichte dieser einzigartigen Nürnberger Privatsammlung ist ab Winter 2018 unter dem Titel „Leidenschaft eines Geschäftsmanns – Die Geschichte der Musikinstrumentensammlung Rück“ über den Buchhandel und im GNM Museumsshop erhältlich.

Projektmitarbeiter

 

Dr. Frank P. Bär  (Projektleiter)
Dr. des. Dominik von Roth M.A.  (Projektkoordinator)
Linda Escherich M.A.  (Projektmitarbeiterin)
Dipl.-Rest. Meike Wolters (Projektmitarbeiterin)
Dr. Markus Zepf (Projektkoordination 06/2015 – 01/2016)
Anna Daudrich (wiss. Hilfskraft 02/2016 – 04/2017)


 

 

 

 


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