Sammlungsgeschichte

Waffen und Jagdkultur

 

Die Sammlung historischer Waffen des Germanischen Nationalmuseums gehört zu den ältesten des Hauses. Ihr Grundstock war eine Reihe alter Waffen, die der Museumsgründer Hans von und zu Aufseß aus seinem Besitz einbrachte.

Das Sammeln und Forschen an Waffen war zu dieser Zeit stark von idealistischen Strömungen wie Romantik und Patriotismus geprägt. So vorbelastet entwickelte sich im Lauf des 19. Jahrhunderts nur allmählich eine streng wissenschaftliche und systematische historische Waffenkunde. Der militaristische Geist des späten 19. Jahrhunderts erschwerte allerdings oft die gebotene kritische Distanz. Durch die Katastrophen der Weltkriege wiederum wurde die Beschäftigung mit Waffen als Forschungsobjekt pauschal in Frage gestellt. Bis heute stellt die Aufgabe, Waffen als Phänomen der Kulturgeschichte ideologiefrei wissenschaftlich zu untersuchen, eine große Herausforderung dar.

Im ersten Museumsgebäude, dem Tiergärtnertorturm, wurde die Waffensammlung zunächst in einer eigenen Waffenhalle gezeigt. Mit dem Umzug in das Kartäuserkloster 1859 erfolgte die Aufstellung im Kleinen Kreuzgang.

Von großer Bedeutung für die Entwicklung der Waffensammlung war August von Essenwein, der von 1866 bis 1891 Erster Vorstand war. Sein persönliches großes Interesse an den Waffen und seine wegweisende systematische Forschung waren wichtig für die Entstehung der wissenschaftlichen Waffenkunde in Deutschland. In seiner Zeit als Direktor wurde die zeitliche Grenze für Neuerwerbungen von circa 1650 bis ins 19. Jahrhundert erweitert und die Waffensammlung neu aufgestellt. Ab1876 war sie im Standesherrensaal im Augustinerbau untergebracht. 1884 wurde Essenweins langfristiges Konzept für die Waffensammlung und Komplettierung im Anzeiger veröffentlicht. Um 1898 wurden die großen Geschütze in einem Gebäude auf dem Stadtmauerzwinger aufgestellt.

Unter dem Nachfolger Essenweins, Gustav von Bezold, der von 1894 bis 1920 Erster Direktor war, ließ das Interesse an der Waffensammlung nach, die Konzeption Essenweins wurde aufgegeben. Die Waffensammlung wurde ab 1903 im Rittersaal und weiteren Räumen aufgestellt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verschmälerte sich der Bestand, da Beutewaffen an Frankreich zurückgegeben werden mussten.

Während des Direktorats von E. Heinrich Zimmermann von 1920 bis 1936 wurden die Jagdwaffen ein eigenständiger Sammlungsbereich, der stark vermehrt wurde. Zur Finanzierung von Ankäufen in diesem Bereich dienten jedoch zugleich Veräußerungen wertvoller Sammlungsstücke. Die Waffenausstellung wurde auf einzelne „Fachgruppen“ aufgeteilt und im Refektoriumssaal und verstreuten Räumen aufgestellt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile der Waffensammlung ausgelagert, meist auf Burgen in Franken. Es waren deshalb keine größeren Kriegsverluste zu verzeichnen.

Bedingt durch die Niederlage im Krieg bestand nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst eine Aversion gegen Waffen. Dies zeigte sich in einer starken Betonung ihrer rein künstlerischen unter Vernachlässigung ihrer kulturhistorischen Aspekte. In dieser Zeit war die Waffensammlung auf verschiedene Aufstellungsorte im Museum verteilt, große Geschütze ab 1947 im Bärenhof aufgestellt. 1956 gingen mehrere Geschütze durch den Verkauf als Altmetall verloren.

Ab den 1960er Jahren wurde ein Teil der Jagd-Objekte in Schloss Neunhof, einer Außenstelle des Germanischen Nationalmuseums ausgestellt. Im Dürerjahr 1971 fand eine Sonderausstellung auf der Kaiserburg zum Thema „Kostbare Waffen und Jagdgeräte“ statt.

Seit1975 sind die Schausammlungen Waffen und Jagd an ihrem heutigem Ort im Erdgeschoss des Ostbaus ausgestellt, die großen Geschütze im angrenzenden sogenannten „Kanonenhof“. Seit 1999 werden zudem umfangreiche Waffenbestände im Kaiserburgmuseum, einer weiteren Außenstelle des Museums auf der Nürnberger Burg, gezeigt.

 

Im Laufe der Jahre konnten zahlreiche wichtige Erwerbungen getätigt werden:

  • 1861 Künsbergische Stiftung, Geschenk einer Reihe von Harnischen und Harnischteilen
  • 1864 sogenanntes Kleines Zeughaus, Waffenmodelle des 17. Jahrhundert aus dem Nürnberger Zeughaus, ersteigert
  • 1869 mehrere große Geschütze der Johanniterfestung Rhodos, Geschenk des Sultans in Konstantinope
  • 1870/71 Geschenke mehrerer deutscher Fürsten, Beutewaffen und Waffen deutscher Heere aus dem siegreichen Krieg gegen Frankreich
  • 1889 Kauf der Sammlung des Fürsten Sulkowski, mit großen Beständen Nürnberger Herkunft
  • 1936 Ankauf des Pfeffenhauser Reiterharnischs

Zur Sammlung

Sammlungen im Überblick

GNM Highlight
aus der Dauerausstellung