Die Restaurierung der Kreuzwegstationen von Adam Kraft

Die Kreuzwegstationen von Adam Kraft in der Kartäuserkirche des Germanischen Nationalmuseums werden derzeit gereinigt und restauriert. Die bedeutenden großformatigen Steinreliefs aus der Zeit um 1500 zeigen Szenen der Passion Christi und waren ursprünglich draußen im Stadtbild als Wegemarken aufgestellt. Gläubige konnten diesen Wallfahrtsweg, der einst von der Nürnberger Altstadt bis zum Johannisfriedhof führte, in Gedenken an den Leidensweg Christi abschreiten.


"Der Zustand der sieben Kreuzwegstationen wurde ihrer Bedeutung nicht mehr gerecht", nennt Generaldirektor Prof. Dr. G. Ulrich Großmann den Grund für die aktuellen Maßnahmen. Die Oberfläche der Reliefs aus Burgsandstein war stark verschmutzt und schwarzbraun verfärbt. Einige Figurenteile waren verloren, beschädigt oder verwittert, einzelne Elemente vor allem im 19. Jahrhundert sichtbar mit Schilfsandstein ergänzt worden. Ziel der aktuellen Maßnahmen ist zum einen die Entfernung der dunklen Verfärbungen, damit die Qualität der einzelnen Reliefs deutlicher zutage tritt. Außerdem sollen die unterschiedlichen Zustände der Reliefs einander angeglichen werden, um hervorzuheben, dass es sich bei dem Kreuzweg um ein Gesamtkunstwerk handelt.

Bevor die eigentlichen Reinigungsarbeiten beginnen konnten, musste der Zustand der Reliefs analysiert und dokumentiert werden. Diese Arbeit übernahmen die Steinrestauratoren Dr. Walter Hartleitner und Katrin Müller aus Rügheim-Hofheim in Unterfranken in enger Abstimmung mit dem Institut für Kunsttechnik und Konservierung (IKK) des Germanischen Nationalmuseums. Exakte Kartierungen hielten die Bestandsaufnahme mit Schäden und späteren Veränderungen fest.

Kreuzwegstation "Veronika reicht Christus das Schweißtuch": Vorzustand im Februar 2016
Kreuzwegstation "Veronika reicht Christus das Schweißtuch" während der Reinigung mit Gelkompressen im Mai 2016
Kreuzwegstation "Veronika reicht Christus das Schweißtuch" mit Textil-Kompressen im Februar 2017

Beispiel 1: Beweinung Christi

Vor allem Ruß, der mit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert stark zunahm, aber auch Staub, Gips und Fasern – schlicht die „dreckige Luft“ – haben sich mit der Zeit wie ein dunkler Überzug auf die Steinfiguren der „Beweinung Christi“ gelegt. Einer solchen festsitzenden Verschmutzung kommt Dipl.-Restauratorin Katrin Müller am besten mit einem spezifizierten Laser bei. Präzise justierbar kann die Intensität des Laserstrahls gezielt an die unterschiedlichen Verschmutzungsgrade angepasst werden. Die konzentrierte Energie bewirkt, dass die Schmutzpartikel verdampfen.

Lückenlos und gleichmäßig muss die Oberfläche des rund 1,70 m breiten und 1,50 m hohen Reliefs mit dem wenige Millimeter großen Laserstrahl zeilenweise abgescannt werden, wofür Müller knapp zwei Wochen brauchte. Bei sechs der sieben Kreuzwegstationen konnte diese Methode mit großem Erfolg eingesetzt werden.

Beispiel 2: Veronika reicht Christus das Schweißtuch

Komplizierter war die Reinigung des Reliefs mit der Darstellung Veronikas, die Christus das Schweißtuch reicht. Das Relief kam als letztes ins Museum, nachdem es bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde. Es barst, die Einzelteile fielen in glühenden Schutt. Durch die große Hitze schmolzen Überzüge aus organischen Substanzen wie Harzen und Ölen, die bei früheren Restaurierungen aufgetragen worden waren. Als zähe, schwarzbraune Masse drang das Gemisch in die Poren des Steins ein und verklebte dort. Als die Relieffragmente nach dem Krieg wieder zusammengesetzt wurden, retuschierte man die Oberfläche zudem mit dunkler Farbe, um die Verbrennungen und Verfärbungen zu kaschieren.

Die Hitze eines Lasers würde die organischen Bestandteile weiter in den Stein einbrennen. Deshalb griff Müller auf eine chemische Reinigungsmethode zurück: Das Lösen der wasserunlöslichen Harze mittels einer Lauge.Die Flüssigkeit wird großzügig auf den Stein aufgetragen und sickert in ihn ein. In einem chemischen Prozess reagiert sie in seinem Innern mit den Harzen und wandelt sie in ein wasserlösliches Gemisch. Um den nun flüssigen Schmutz aus dem Stein zu ziehen, wird auf der Oberfläche der Reliefs ein absorbierender Zellstoff wie ein Verband aufgelegt.

Nach ein bis fünf Tagen haben sich die Kompressen mit schwarzbrauner Flüssigkeit vollgesaugt und müssen gewechselt werden. Wichtig ist es, den Stein nicht trocknen zu lassen, um den Löseprozess nicht zu unterbrechen. Insgesamt drei Durchgänge waren nötig, bis kaum mehr Rückstände auf der Oberfläche zu sehen waren.

 

Ausblick und Dank

Bis Ende des Jahres 2017 sollen die Arbeiten an allen Steinreliefs abgeschlossen sein. Sie finden z.T. während der regulären Öffnungszeiten statt, die Kartäuserkirche bleibt frei zugänglich. Eine für 2018 geplante Ausstellung wird die bedeutenden Werke und neueste kunsttechnologische Untersuchungsergebnisse, die aus den aktuellen Maßnahmen resulieren, in den Fokus rücken.

Finanziert werden die Maßnahmen von der Ernst von Siemens Kunststiftung und dem Fördererkreis des Germanischen Nationalmuseums. „Die Restaurierung der Kreuzwegstationen Adam Krafts steht exemplarisch für das Anliegen des Bündnisses „Kunst auf Lager“. Hochbedeutende aber durch ihre Schäden schwer lesbare Kunstwerke werden gesichert und wieder zu wichtigen Exponaten. Gelungene Restaurierungen eigener Bestände sind oft  wichtiger als ein Neuankauf – zumal Werke von Adam Kraft nicht mehr auf dem Kunstmarkt verfügbar sein dürften“, freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

 

 

Nach oben

 

 

GNM Highlight
aus der Dauerausstellung