Blickpunkt 1/2017: Ruhender Löwe, Nürnberg, um 1616

Material: Sandstein mit Fassungsresten

Maße: 58 cm lang, 36,5 cm tief

Inventar-Nr.: Pl.O.3478

Was ist im Januar 2017 im Blickpunkt zu sehen?

Aktuell ist dort ein Löwe aus hellem Sandstein ausgestellt. Er besitzt eine Länge von 58 cm und ist bei lediglich 36,5 cm Tiefe hinten flach. Es handelt sich also um ein Relief. Unter dem Mikroskop konnten Reste einer Bemalung ausgemacht werden: Das Fell des Löwen changierte einst in verschiedenen Ockertönen, sein Maul war rot hervorgehoben, die Mähne mit leuchtendem Gelb akzentuiert. Die Steinfigur muss insgesamt recht plastisch und lebendig gewirkt haben. Ob es sich bei der Bemalung allerdings um die ursprüngliche Fassung handelt, ist noch unklar.

Woher stammt der Steinlöwe?

Die Steinfigur kam 1902 – zusammen mit einem weiteren Steinlöwen – als Schenkung des Möbelfabrikanten Eyesser in den Besitz des Museums. Der Jahresbericht für 1902 vermerkt als Neuzugang „zwei steinerne Löwen von der Fassade des Pellerhauses“. Diese Zuschreibung erscheint plausibel, hatte die Familie Eyesser 1882 das Nürnberger Pellerhaus als Ausstellungs- und Verkaufsfläche für ihre Inneneinrichtungen erworben. Vergleiche mit historischen Ansichten legen nahe, dass es sich um einen der beiden Löwen vom Fassadenschmuck des Pellerhauses handeln könnte, die einst rahmend auf der Brüstung des Balkons eines mittig platzierten Chörleins saßen.

Wer hat den Löwen gefertigt und wie alt ist er?

Das Pellerhaus wurde Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet. Die Bauskulptur wird Hans Werner (um 1560-1623) zugeschrieben. Die Formen des Steinlöwen wirken allerdings weicher und weniger aggressiv als der übrige, von Werner geschaffene Fassadenschmuck. Bedenkt man, dass das Chörlein erst mehr als zehn Jahre nach Vollendung des Vorderhauses eingefügt wurde, erscheint die stilistische Abweichung plausibel, die Urheberschaft Werners allerdings unwahrscheinlich. Wir wissen also leider nicht, wer den Löwen gefertigt hat. Aufgrund der Baugeschichte muss er aber um das Jahr 1616 entstanden sein.

 

Ausführlichere Informationen finden Sie hier: Ein Löwe aus dem Nürnberger Pellerhaus? von Johannes Maussner.
In: KulturGUT. Aus der Forschung des Germanischen Nationalmuseums, I. Quartal 2017, Heft 52, Seite 1-5.

 
 

Der "Blickpunkt" befindet sich im Untergeschoss beim Museumscafé Arte
und zeigt jeden Monat ein anderes Objekt aus dem Depot. 

Interessierte Leser finden weiterführende Informationen zu den Blickpunkt-Ausstellungsstücken im Museumsmagazin KulturGUT.

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aus der Dauerausstellung