THEMEN DER AUSSTELLUNG

In sieben Stationen widmet sich die Ausstellung den unterschiedlichen Themengruppen in Grützkes Schaffen, so seinem Atelier, den Rollenbildern von Mann und Frau oder dem Porträt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Grützkes Historienbildern. Einen großen Raum nehmen seine Entwürfe für das Theater sowie seine eigenen Auftritte als Performer, Schauspieler, Redner oder musizierender “Erlebnisgeiger” ein. Die Präsentation in der Reihe “Werke und Dokumente” des Deutschen Kunstarchivs erfolgt gattungsübergreifend und ermöglicht somit einen vergleichenden Blick auf seine unterschiedlichen künstlerischen Arbeiten.
 

1. Das Atelier

Thema des ersten Raums ist Grützkes Künstleratelier, das ganz im akademischen Sinne ausgestattet ist und seinen Kosmos für die Entstehung seiner Arbeiten und Gedanken bildet. Es ist ihm Repräsentationsort, Schausammlung und Werkstätte zugleich, was in der Ausstellung nachvollziehbar gemacht wird. Zu sehen sind neben seinen Stillleben Grützkes eigene Sammlung an Druckgraphiken – etwa von Max Klinger, Emil Orlik oder Ludwig Meidner – sowie seine Tierpräparate, die ihm als Vorlagen für viele seiner Gemälde dienen.
 

2. Der Künstler

Im zweiten Raum wird Johannes Grützke – sowohl in realen als auch in fiktiven Selbstportraits – vorgestellt. Aus jeder Dekade entstammt ein Selbstportrait, in denen unter anderem sein virtuoses, technisches Können ablesbar wird. Zudem sind Bildwerke – Graphiken, Plastiken wie Gemälde – von Männern zu sehen, die zwar Grützkes Gesichtszüge tragen, jedoch allegorisch für die Menschheit ganz allgemein stehen.
 

3. Männer und Frauen

Der nächste große Raum widmet sich dem zentralen Thema von Grützke, den Männer und Frauen. Ende der 1960er Jahre begann er ordentlich gekleidete Geschäftsmänner zu malen, die jedoch mit ihren merkwürdigen Grimassen und absurden Handlungen beim Betrachter Irritationen auslösen.

Anfang der 1970er Jahre traten mit Gemälden wie „Darstellung der Freiheit“ erstmals nackte Frauen auf. Schon bald arrangierte er sie zu vielfigurigen Gruppen, die merkwürdige Posen einnehmen und sich so zu interessanten Körper-Architekturen entwickelten. Vielfach sind die Bildfiguren in Lebensgröße dargestellt, blicken den Betrachter an und fordern ihn zu bestimmten Handlungen auf, so dass eine ungeheuerliche Sogwirkung auf den Betrachter entsteht.
 

4. Der Erzähler

Der nächste wichtige Themenkomplex zeigt Grützkes Historienbilder, die sich zum einen auf reale Ereignisse beziehen, zum anderen frei erfunden sein können. Von zentraler Bedeutung ist das 3 Meter hohe und 32 Meter lange Monumentalwerk „Der Zug der Volksvertreter“, das er zwischen 1987 und 1991 für die Paulskirche in Frankfurt am Main schuf. Als eines der gelungensten Historienbilder des 20. Jahrhunderts trug es wesentlich zur Reputation des Künstlers bei. In der Ausstellung wird der Rundbau der Paulskirche nachempfunden, um den zehnteiligen Zyklus der Linolschnitte „Paulskirche“ zu präsentieren.

Grützkes Lust am Fabulieren offenbart sich vor allem in vielen seiner „fiktiven Historiengemälde“, die in Komposition, Lichtführung und Figurenarrangement häufig an Gemälde vergangener Epochen erinnern. Doch keine der Bildgeschichten lässt sich entschlüsseln. Sie faszinieren aufgrund Grützkes virtuoser Malerei und der verrätselten Absurditäten.
 

5. Das Theater

In einem nächsten Kapitel wird die wenig bekannte Beziehung Johannes Grützkes zum Theater vorgestellt: So war der Künstler über Jahre hinweg enger Mitarbeiter des berühmten Regisseurs und Intendanten Peter Zadek und schuf zahlreiche Bühnen- und Kostümentwürfe. Sensible Skizzen sowie großformatige Pastelle, die als Vorlage zu heute nicht mehr existenten Bühnenprospekten und Kostümen dienten, bereichern die Ausstellung. Die Präsentation seiner Theaterplakate lässt die ganze Bandbreite seines Schaffens auf diesem Gebiet überblicken.
 

6. Der Darsteller

Ein weiterer Themenkomplex veranschaulicht Grützkes vielfältigen Bezüge zur Musik und zum Film. Eine Hörstation ermöglicht den Besuchern, seine Musikstücke als einer der seit 1965 agierenden „Erlebnisgeiger“ sowie einige seiner selbst vorgetragenen Texte nachzuhören. Eine Filmstation zeigt Grützke als Schauspieler in einigen Filmausschnitten.
 

7. Das Porträt

Nicht zuletzt stellt die Ausstellung zum ersten Mal überhaupt den Künstler als vielgefragten Porträtisten vor, eine Aufgabe, die seinem immerwährenden Interesse an Charakteristik und Physiognomie entgegen kommt. Viele Bekannte wie Rolf Hochhut, Ernst Jandl, Gerhard Schröder, Robert Walser oder Richard von Weizsäcker sind hier wiederzuentdecken.


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Objekte der Ausstellung

Blicke auf Volksvertreter
Johannes Grützke, 1990