JACOPO DE BARBARI ZUGESCHRIEBEN: ANSICHT VON VENEDIG

Datierung: 1500
Material/Technik: Holzschnitt 
Inventarnummer: SP5903

Zu welchem Anlass entstand der Riesenholzschnitt mit der „Ansicht von Venedig“?

Der Nürnberger Unternehmer, Buchdrucker und Verleger Anton Kolb bat im Herbst 1500 die Stadtregierung von Venedig um Erlaubnis, diesen Holzschnitt mit der Ansicht von Venedig vertreiben zu dürfen. Mit seiner topographischen Genauigkeit und meisterhaften perspektivischen Konstruktion übertraf er alle früheren Beispiele autonomer Vogelschauansichten. Möglicher Initiator ist die Signoria der Republik Venedig. In politisch und wirtschaftlich turbulenten Zeiten entsprach es ihrem Interesse, Venedig – das Handelsdrehkreuz Westeuropas und des östlichen Mittelmeers – als blühende Stadt mit vorbildlichen verkehrstechnischen und städtebaulichen Bedingungen und mit einem funktionierenden Gemeinwesen zu propagieren.

Wie konnte der Künstler, vermutlich Jacopo de’ Barbari, diese enorme Vogelschau graphisch umsetzen?

Die Herstellung der „Ansicht von Venedig“ war äußerst aufwendig. Zunächst vermaßen Geometer von erhöhten Standorten aus die Umrisse und das Kanalnetz der Lagunenstadt und übertrugen die Daten in einen orthogonalen Grundrissplan. Diesem fügten sie die ebenfalls von hohen Bauwerken wie Kirchtürmen aus zeichnerisch aufgenommenen Wohn- und Geschäftsquartiere der Stadt ein. Danach erfolgte die Umsetzung des Grundrissplans in einen perspektivischen Aufrissplan. Schließlich wurden die Zeichnungen zu einer kunstvollen Gesamtschau Venedigs aus der Vogelperspektive zusammengefügt, auf sechs Holzstöcke gerissen und so für den Formschnitt vorbereitet.


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